Thomas Liebsch

  • Warum Herrlichkeit?

    Wir Einheimischen wissen es natürlich oder haben doch wenigstens eine vage Ahnung, wieso Dornum eine Herrlichkeit ist. Aber die sommers hier flanierenden Touristen finden oft genug Dornum einfach nur herrlich und haben keinen Begriff von der Sache. Erklären wir’s ihnen – und springen wir kurz zurück ins Mittelalter.

    Überall im Reich gab es territoriale Herrschaften mit ausgeprägten Feudalstrukturen. Anders in Ostfriesland. Hier waren die „freien Friesen“ (Eala Frya Fresena!, Lever dood as Slaav!) in genossenschaftsähnlichen Landesgemeinden mit prinzipiell gleichberechtigten Mitgliedern organisiert. Auf Dauer wurden aber manche Familien gleicher als gleich, kamen zu Macht und Einfluss. So löste sich im Verlauf des 14. Jahrhunderts allmählich die egalitäre Ordnung zugunsten der Hovetlinge auf, die nun ihren jeweiligen Geltungsbereich als dynastischen Besitz behaupteten. Und natürlich gerieten diese Häuptlinge untereinander immer wieder in bewaffneten Streit, indem sie konkurrierende Hegemonialansprüche geltend machten. Das mächtigste Häuptlingsgeschlecht waren zunächst die tom Brok aus Marienhafe, aber es gelang ihnen nicht, die Vorherrschaft über ganz Ostfriesland zu erringen. Das schafften später erst die Cirksena aus Greetsiel. Ulrich Cirksena wurde 1464 von Kaiser Friedrich III. in den Reichsgrafenstand erhoben und mit Ostfriesland als Reichsgrafschaft belehnt. Aber so voll und ganz konnten auch die Cirksena ihre Machtansprüche nicht durchsetzen. Sie mussten auf die althergebrachte Autonomie der Landesgemeinden Rücksicht nehmen und mit den anderen Häuptlingen Kompromisse schließen, d.h. ihnen einige ihrer überkommenen Privilegien garantieren.

    Dornum war der Sitz gleich mehrerer, eher nicht sonderlich bedeutender Häuptlingsgeschlechter. Das waren zunächst die Attena, dann die Kankena, dann die Beninga auf der Osterburg sowie die von Closter auf der Norderburg, dem heutigen Schloss. Aber immerhin war es den Kankena um 1468 gelungen – also ein paar wenige Jahre vor der Belehnung Ulrich Cirksenas –, als Herren Dornums eine Herrlichkeit mit eigener Gerichtsbarkeit zu etablieren. Den Herrlichkeitsbesitzern oblag der Schutz des inneren und des äußeren Friedens, dafür waren ihnen Abgaben zu zahlen sowie Hand- und Spanndienste zu leisten. Sie verfügten über eigenen Landbesitz und übten das Burg- wie das Patronatsrecht aus. Letzteres heißt: Als Kirchenpatrone hatten sie das Recht, die Pfarrämter und die denen untergeordneten Lehrerstellen an den Konfessionsschulen zu besetzen.

    Die Herrlichkeit Dornum hatte über Jahrhunderte Bestand. Es blieb dem Königreich Hannover vorbehalten, dem Ostfriesland durch den Wiener Kongress zugesprochen worden war, die Herrlichkeit erst 1817 der Jurisdiktion des Amtes Berum zu unterstellen und dann 1859 in dieses Amt zu integrieren. 1885 schließlich schafften die Preußen die alten Ämter ab und bildeten den Landkreis Norden. Darin war dann Dornum bloß noch ein Kirchspiel, ein Flecken. Mit der kommunalen Gebietsreform von 1972 wurde Dornum zusammen mit Nesse und Dornumersiel Teil einer Samtgemeinde, 2001 dann, unter Einbeziehung weiterer Dörfer wie etwa Roggenstede, der Hauptort der gleichnamigen Einheitsgemeinde.

    Aber diese bundesdeutschen Verwaltungsakte dürften unsere Touristen nicht weiter interessieren.

    Wer jedoch mehr über die Herrlichkeitsgeschichte wissen will, sei auf Georg Murra-Regner verwiesen, der diese ganze Geschichte haarklein kennt und auch in seiner Schrift Dornum, eine Herrlichkeit (Selbstverlag; in der Synagoge erhältlich) zur Darstellung gebracht hat.

  • Galerie

    Das weihnachtliche Wasserschloss

    Die Herrlichkeit in ihrer ganzen Herrlichkeit

    Ludwig Kittel, „Dornum. Wasserschloss“, 1927

    In Stille liegen Marktplatz und Backstube

    Da geht er hin, der Gulfhof

    Die Osterglocken läuten den Frühling ein

    Die ehemalige Pastorei, 1962 abgerissen

    Regenzeit in Dornum

    Kurfürst und Marktplatz im Festornat

    Die Dorfälteste, sturmfest und erdverwachsen

    Eine Hoffnung

    In Szene gesetzt

    St. Bartholomäus von außen und innen

    Dämmerung in Dornumersiel

    Simone Höfker beim „Sommer in der Herrlichkeit“

    Zwischen rot und grün

    Mitbewohner

    Einst, als die Winter noch knackig waren …

    Stille Fluten in Dornumersiel

    Vor den Toren der Herrlichkeit

    Stockrosenparade

    Die flügellahme Bockwindmühle

    Im Zweifel geschlossen

    Die Apotheke, ein Prachtbau von 1865

    Die breite Front der Windräder

    Westerstr. 4, vermutlich Anfang des 20. Jahrhunderts

    Achtung! Rasender Zugverkehr

    Alles dunkel, die Fiefschaft strahlt

    Die Bockwindmühle im Glanze ihrer Vollständigkeit

    Dornum um 1950

    Das Rathaus, die ehemalige Cassen’sche Villa von 1842

    Zank und Streit in Dornumersiel

    Der alte Bahnhof mit Damen und Windrad auf Wasserturm

    Bockwindmühle und Müllerhaus vor 1930

    Dornum platt

    Er leuchtet wieder

  • Schlossöffnung Juni 2026

    Das Dornumer Wasserschloss öffnet im Juni 2026 an folgenden Tagen jeweils von 11.00 Uhr bis 16.00 Uhr seinen Innenhof und den Rittersaal für Besucher:

    Sonntag, den 07.06.2026 –

    Sonntag, den 14.06.2026 –

    Sonntag, den 21.06.2026 –

    Sonntag, den 28.06.2026 –

    Der Bürgerverein freut sich auf viele interessierte Gäste! Der Eintritt ist frei.

  • Pflanzaktion

    Der Bürgerverein hat wieder für mehr Farbe auf dem Marktplatz gesorgt. An den vier Laternen hängen seit gestern frisch mit Geranien bepflanzte Kübel. 

    Die Verkehrsinsel auf der Schatthauser Strasse wurde mit Hilfe der Firma Natura Dornum neu gestaltet. Die weitere Pflege übernimmt unser Verein. 

    Auch die Verkehrsinsel Accumer Riege wird wie in den Vorjahren durch Mitglieder des Bürgervereins gepflegt. 

  • Beisitzer

    Mario Kortner
    Marktstraße 6
    26553 Dornum
  • Jubel, Trubel, Heiterkeit

    Im Sommer überlassen wir anderen Veranstaltern das Feld. Da ist in Dornum eh schon reichlich was los:
    Markt zum Feierabend, Silent Disco, Nachtorgel bei Kerzenschein, Strandfest, Live am Deich,
    Frühstück am Strand, Ritterfest und so manches mehr.

    Wir treten im September wieder an: mit dem
    Trio Elderland. Das Trio kommt aus der Folk-Tradition, hat dieses Genre aber um eigene Lieder und
    Arrangements erweitert. Diese Mischung nennen die drei „Hollerfolk“. Schon mal vormerken: 5. September im Rittersaal des Wasserschlosses. Weitere Infos unter
    der Rubrik Veranstaltungen.

  • Der Bürgerverein ist jetzt auf Facebook

    Alle News über den Bürgerverein und interessante Veranstaltungen in Dornum gibt es ab sofort auch über unsere neue Facebookseite.

    https://fb.me/g/8O3cnaSr6/1UjfJj4C