
Während die Omikron-Variante immer neuen Infektionshöchstständen entgegenstrebte, wollten wir der allgemeinen Trübsal keinen weiteren Vorschub leisten und baten den Kabarettisten Jürgen Becker zu einem Auftritt am 30. Januar in den Rittersaal. Genauer: Der Abend war schon lange geplant, und nach einigem Zögern entschieden sich Becker und wir, ihn gegen alle Bedenken stattfinden zu lassen. Natürlich fiel die Vorstellung dann etwas spartanisch aus: scharfe Einlasskontrollen, keine Bewirtung, Maskenpflicht auch auf den eingenommenen Plätzen.
All das tat aber der Stimmung keinen Eintrag. Das etwa 80-köpfige Publikum (das Interesse war größer, aber mehr Leute durften nicht rein) lauschte Beckers Ausführungen teils gebannt, teils amüsiert. Dabei fuhr der durchaus thematisch schwere Geschütze auf. Im Grunde ging es ihm um die Frage, wie sich denn die Endlichkeit unseres Planeten und die Unendlichkeit unserer Konsumwünsche – oder anders gesagt: der kapitalistische Wachstumsimperativ – miteinander versöhnen ließen. Eine Antwort darauf weiß niemand, auch Becker nicht. Aber wie er diese Frage immer wieder aufwarf und durchdeklinierte – das war hohe kabarettistische Kunst.
Und weil Becker aus Köln stammt und als Kölner dem Jeckentum frönt, verabschiedete er sein Publikum, indem er es – im Vorgriff auf den bevorstehenden Rosenmontag – mit Kamelle bewarf.

